Ratgeber

Gerüstbau im Winter — Herausforderungen und Lösungen

Bauprojekte stoppen nicht bei Minustemperaturen. Erfahren Sie, welche besonderen Anforderungen im Schweizer Winter gelten und wie Sie Ihr Gerüst winterfest machen.

Kurz gesagt: Gerüstbau im Winter ist möglich, erfordert aber Zusatzmassnahmen: verstärkte Verankerung für Schnee- und Windlasten, rutschsichere Beläge, regelmässiges Räumen und gegebenenfalls Einhausungen. Rechnen Sie mit 15–25 % Mehrkosten. Dafür profitieren Sie von besserer Verfügbarkeit und kürzeren Wartezeiten.

Erhöhte Lasten: Wind und Schnee

Im Winter verändern sich die Belastungen auf ein Gerüst grundlegend. Die Schneelast kann je nach Region und Höhenlage erheblich sein: Im Schweizer Mittelland rechnet man mit 100–150 kg/m², in den Voralpen mit 200–400 kg/m² und im Hochgebirge mit deutlich mehr. Schnee auf den Gerüstbelägen muss regelmässig geräumt werden — nicht nur wegen der Statik, sondern auch wegen der Rutschgefahr. Die Windlast ist im Winter tendenziell höher: Winterstürme erreichen in der Schweiz regelmässig Böen über 100 km/h. Besonders kritisch sind Einhausungen (Planen, Netze), die eine grosse Windangriffsfläche bieten. Die Verankerung muss für den Winterbetrieb neu berechnet werden — der Gerüstbauer erstellt dafür einen angepassten statischen Nachweis. Die Mehrkosten für die verstärkte Verankerung liegen bei CHF 3.— bis CHF 8.— pro m² Gerüstfläche. Detaillierte Preisinformationen finden Sie auf unserer Preisseite.

Einhausungen und Wetterschutz

Einhausungen sind im Winter oft unverzichtbar — nicht nur als Wetterschutz für die Arbeiter, sondern auch um Fassadenarbeiten bei Kälte und Nässe überhaupt ausführen zu können. Eine vollständige Gerüsteinhausungmit Planen kostet CHF 8.— bis CHF 15.— pro m² und schützt die Fassade vor Regen, Schnee und Wind. Bei Putz- und Malerarbeiten ist die Einhausung zwingend, da Temperaturen unter +5 °C die Verarbeitung vieler Materialien verunmöglicht. Für intensive Winterarbeiten kommen beheizte Einhausungen zum Einsatz — mit Warmluftgebläsen wird die Temperatur hinter der Plane auf +10 °C bis +15 °C gehalten. Die Heizkosten liegen bei CHF 200.— bis CHF 500.— pro Tag, je nach Fläche und Aussentemperatur. Wichtig: Einhausungen erhöhen die Windlast auf das Gerüst massiv. Bei Sturmwarnung (ab Windstärke 8) müssen Planen geöffnet oder entfernt werden. Der Gerüstbauer muss im Winterbetrieb einen Notfallplan für Sturmwarnungen erstellen.

Rutschgefahr und Belagssicherheit

Vereiste und verschneite Gerüstbeläge sind eine der grössten Gefahrenquellen im Winterbau. Gemäss BauAV müssen die Beläge jederzeit rutschsicher sein — das bedeutet tägliches Räumen und Streuen bei Frost. Herkömmliches Streusalz ist auf Gerüsten nicht empfehlenswert, da es die Stahlteile korrodiert. Stattdessen verwenden Profis Splitt oder spezielle korrosionsfreie Taumittel. Alternativ können rutschhemmende Gerüstbeläge mit strukturierter Oberfläche (Grip-Beläge) eingesetzt werden — diese kosten CHF 2.— bis CHF 5.— pro m² mehr als Standardbeläge. Die Zugänge über Treppentürme und Leitern sind besonders kritisch: Metallstufen und -sprossen vereisen schnell und müssen vor jedem Arbeitsbeginn geprüft werden. Ein erfahrener Gerüstbauer berücksichtigt diese Winteranforderungen bereits bei der Planung und bietet passende Lösungen an.

Materialverhalten bei Kälte

Extreme Kälte beeinflusst die Materialeigenschaften des Gerüsts. Stahl wird bei tiefen Temperaturen spröder — das ist bei modernen Gerüststählen (S235 und S355) bis –20 °C jedoch kein Problem. Kritischer sind die Kunststoffteile: Fussplatten, Abdeckkappen und Rohrverbinder aus Polyamid oder Polyethylen können bei starkem Frost rissig werden. Kupplungen müssen im Winter besonders fest angezogen werden, da sich das Metall bei Kälte zusammenzieht und Verbindungen sich lockern können. Die Verankerungsdübel in der Fassade verdienen besondere Aufmerksamkeit: Frostsprengung in schlecht abgedichteten Bohrlöchern kann die Haltekraft der Dübel reduzieren. Bei Altbauten mit porösem Mauerwerk empfiehlt sich im Winter eine engere Verankerung als im Sommer. All diese Faktoren fliessen in die Winterstatik ein und werden vom Gerüstbauer bei der Planung berücksichtigt.

Vorteile des Winterbaus nutzen

Trotz der Herausforderungen bietet der Gerüstbau im Winter auch Vorteile. Die Verfügbarkeit ist deutlich besser: Während in der Hochsaison (April bis September) Wartezeiten von 4 bis 6 Wochen üblich sind, können Gerüstbauer im Winter oft innerhalb von 1 bis 2 Wochen starten. Manche Betriebe bieten Winterrabatte von 5–15 % auf die Montagekosten, um die Auslastung in der Nebensaison zu verbessern. Für bestimmte Arbeiten — etwa den Fensterersatz mit Einhausung oder Innenisolationen — ist der Winter sogar die ideale Zeit, da die Temperaturunterschiede zwischen Innen und Aussen die Erkennung von Wärmebrücken erleichtern (Thermografie). Planen Sie Winterprojekte rechtzeitig im Herbst und fordern Sie Offerten von mehreren Gerüstbaubetrieben an — so sichern Sie sich die besten Konditionen und garantierte Verfügbarkeit. Die Gesamtkosten können trotz Winterzuschlag unter den Hochsaisonpreisen liegen, wenn Sie die bessere Verhandlungsposition nutzen.

Häufige Fragen

Ja, grundsätzlich dürfen Arbeiten auf Gerüsten auch im Winter ausgeführt werden. Voraussetzung: Das Gerüst ist für die erhöhten Wind- und Schneelasten ausgelegt, die Beläge sind rutschsicher (geräumt und gestreut) und die Sichtverhältnisse sind ausreichend. Bei Temperaturen unter –10 °C oder bei Eisregen sollten die Arbeiten eingestellt werden.