Ratgeber

Das richtige Gerüst für Ihr Projekt — ein Entscheidungsleitfaden

Fassadengerüst, Rollgerüst oder Hängegerüst? Die Wahl hängt von Ihrem Projekt, dem Gebäude und dem Budget ab. Unser Leitfaden hilft bei der Entscheidung.

Kurz gesagt: Für 80 % aller Bauprojekte an Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern ist das klassische Fassadengerüst die richtige Wahl. Rollgerüste eignen sich für kurze, punktuelle Arbeiten. Hänge- und Konsolgerüste kommen bei schwieriger Zugänglichkeit zum Einsatz. Die Belastungsklasse richtet sich nach den geplanten Arbeiten.

Fassadengerüst — der Allrounder

Das Fassadengerüst (auch Standgerüst oder Systemgerüst) ist der mit Abstand häufigste Gerüsttyp in der Schweiz. Es wird direkt vor der Fassade aufgestellt und am Gebäude verankert. Moderne Systemgerüste bestehen aus vorgefertigten Elementen (Rahmen, Riegel, Diagonalen), die sich schnell und sicher montieren lassen. Die Standardbreite beträgt 70 cm (Belastungsklasse 2–3) oder 110 cm (Klasse 4–6). Fassadengerüste eignen sich für nahezu alle Arbeiten: Malerarbeiten, Verputz, Fassadendämmung, Fensterersatz, Dachrandarbeiten und Spenglerarbeiten. Die Kosten liegen bei CHF 20.— bis CHF 45.— pro m² für Auf-/Abbau plus CHF 15.— bis CHF 35.— pro m² und Monat Miete. Ein Fassadengerüst lässt sich mit Zusatzkomponenten erweitern: Schutzdächer über Eingangsbereichen, Einhausungen (Planen oder Netze) gegen Staub und Witterung, und Lastaufzüge für den Materialtransport. Für detaillierte Preisangaben besuchen Sie unsere Kostenübersicht.

Rollgerüst — flexibel und mobil

Rollgerüste (auch Fahrgerüste) stehen auf Rollen und lassen sich ohne Demontage verschieben. Sie eignen sich für Arbeiten, die nur eine kleine Fläche betreffen oder häufig den Standort wechseln — etwa Elektroinstallationen, Deckenarbeiten in Hallen oder das Streichen einzelner Fassadenabschnitte. Die maximale Arbeitshöhe beträgt je nach Modell 6 bis 14 Meter (innen) bzw. 8 Meter (aussen, windexponiert). Rollgerüste kosten im Kauf CHF 1'500.— bis CHF 8'000.—, die Tagesmiete liegt bei CHF 50.— bis CHF 150.—. Der grosse Vorteil: Kein aufwändiger Auf- und Abbau, keine Verankerung am Gebäude nötig. Die Einschränkungen: Nur für ebene, tragfähige Untergründe geeignet; begrenzte Arbeitsfläche (typisch 1.5 x 2.5 m); nicht für schwere Materialien ausgelegt. Beim Verschieben müssen die Rollen arretiert, die Arbeitshöhe auf unter 2 Meter reduziert und keine Personen auf dem Gerüst sein.

Hänge- und Konsolgerüste für Spezialfälle

Hängegerüste werden an der Dachkante oder an Auslegern befestigt und hängen frei vor der Fassade. Sie kommen zum Einsatz, wenn der Boden keine Aufstellfläche bietet — etwa bei Gebäuden an Gewässern, Hanglagen oder über Strassen. Hängegerüste erfordern eine separate statische Berechnung und sind deutlich teurer: CHF 50.— bis CHF 100.— pro m² Auf-/Abbau. Die Montage darf nur durch Spezialisten mit Zusatzausbildung erfolgen. Konsolgerüste werden direkt an der Fassade befestigt — über Schwerlastdübel oder Durchsteckanker. Sie eignen sich für schmale, hohe Gebäude oder wenn der Gehweg nicht gesperrt werden kann. Die Tragfähigkeit der Fassade muss vor der Montage geprüft werden. Weitere Spezialgerüste wie Traggerüste (für Betonarbeiten) und Schutzgerüste (für Abbrucharbeiten) erfordern individuelle Planung und Statik.

Belastungsklassen verstehen

Die Belastungsklasse bestimmt, wie viel Gewicht pro Quadratmeter auf den Gerüstbelag gebracht werden darf. In der Schweiz gelten die Klassen 1 bis 6 gemäss SN EN 12811. Klasse 1 (75 kg/m²): Nur für Inspektionsarbeiten ohne Material. Klasse 2 (150 kg/m²): Für leichte Arbeiten wie Malen und Reinigen. Klasse 3 (200 kg/m²): Der Schweizer Standard für Fassadenarbeiten — Verputz, Dämmmontage, Fensterersatz. Klasse 4 (300 kg/m²): Für Maurerarbeiten und Natursteinverkleidungen. Klasse 5 (450 kg/m²) und Klasse 6 (600 kg/m²): Für schwere Bauarbeiten und Materiallagerung. Die Belastungsklasse muss am Gerüstaufstieg gut sichtbar angeschrieben sein. Ein Verstoss — also die Überladung des Gerüsts — kann zum Einsturz führen und wird von der SUVA als schwerer Verstoss geahndet. Besprechen Sie mit Ihrem Gerüstbauer im Voraus, welche Arbeiten Sie planen, damit er die richtige Klasse einplant.

Entscheidungsmatrix: So finden Sie das richtige Gerüst

Folgende Fragen führen Sie zur richtigen Wahl: Wie gross ist die zu bearbeitende Fläche? Unter 20 m² → Rollgerüst prüfen; über 20 m² → Fassadengerüst. Ist der Boden eben und tragfähig? Nein → Hänge- oder Konsolgerüst. Wie lange dauern die Arbeiten?Wenige Tage → Rollgerüst oder Hubarbeitsbühne; mehrere Wochen → Fassadengerüst. Welche Arbeiten sind geplant? Nur Malen → Klasse 2; Verputz/Dämmung → Klasse 3; Mauerwerk → Klasse 4+. Gibt es besondere Platzverhältnisse? Enge Gassen, Hanglage oder Gewässer erfordern Speziallösungen. Am einfachsten: Beschreiben Sie Ihr Projekt einem geprüften Gerüstbauer — er empfiehlt den optimalen Gerüsttyp und erstellt eine massgeschneiderte Offerte. Vergleichen Sie mindestens 3 Angebote, um den besten Preis zu erhalten.

Häufige Fragen

Für die meisten Arbeiten an einem Einfamilienhaus (Fassadenrenovation, Malerarbeiten, Dacharbeiten) ist ein Fassadengerüst der Belastungsklasse 3 die Standardlösung. Kosten: CHF 3'500.— bis CHF 8'000.— Miete bei 4 Wochen Standzeit. Bei kleineren Arbeiten an einer einzelnen Fassadenseite kann ein Rollgerüst ausreichen.